“my 7 cents”: Alexander Ubach-Utermöhl über das Potenzial neuer Geschäftsmodelle in der Immobilienbranche

Alexander Ubach-Utermöhl ist Geschäftsführer der blackprintpartners GmbH, die alleine oder zusammen mit befreundeten Investoren in innovative Geschäftsideen und zukunftsfähige Startups in der Immobilienwirtschaft investiert. Kern der Geschäftstätigkeit von blackprintpartners ist die Unterstützung beim Aufbau und der Weiterentwicklung von digitalen oder klassischen Geschäftsideen in der Immobilienwirtschaft. Im Herbst 2016 hat die Beteiligungsgesellschaft gemeinsam mit dem ehemaligen CEO von Immobilien Scout, Marc Stilke, den blackprint PropTech Booster und damit den ersten deutschen PropTech-Accelerator initiiert.

Was Alex zur Digitalisierung in der Immobilienbranche zu sagen hat, verrät er uns diese Woche in unserer Reihe “my 7 cents”.

Was hältst Du für maximal unterschätzt im Rahmen der Digitalisierungsdebatte im Immobilienumfeld?

Für zu wenig diskutiert halte ich, dass Digitalisierung nicht bedeutet, dieselben Dinge mit anderen Mitteln zu tun. Vielmehr werden sich Geschäftsmodelle vollständig verändern. Kunden werden möglicherweise Services und Produkte selbst gestalten. Die strukturierte Auswertung von Daten bietet ein Servicelevel – und ein Geschäftspotenzial – dass wir uns alle (noch) nicht vorstellen können.

Welchen Satz kannst Du nicht mehr hören im Zusammenhang mit der Digitalisierung im Immobilienumfeld?

Wo sind denn die Disruptionen? Die Annahme, dass es noch keine disruptiven Veränderungen im Immobilienmarkt gibt, und wir uns daher noch Zeit lassen können. Wenn die disruptiven Geschäftsmodelle für den wenig interessierten Laien aus unserer Branche sichtbar werden, ist es leider zu spät! Viel lieber sollten wir uns heute fragen: Was können wir tun, um die besten digitalen Geschäftsmodelle der Immobilienwirtschaft zu entdecken, zu kreieren und weltweit auszurollen?

Wovon warst Du mal überzeugt, und bist es heute nicht mehr in Bezug auf die Digitalisierung in der Immobilienwirtschaft?

In vielen privaten Feldern außerhalb der Immobilienwirtschaft haben wir uns an die Vorteile digitaler Lösungen gewöhnt. Wir bewerten Anbieter und werden als Kunden im Netz bewertet. Wir prüfen den Zustand und Standort unserer Autos remote per App. Wir beobachten unsere Bonusmeilenstände und verfolgen den Stand unseres Aktiendepots per digitalem Dashboard. Ich war mal der Meinung, dass man den Wunsch nach einer solchen Transparenz auch leicht für für die Wohnungswirtschaft wecken kann, wenn man die Phantasie ein bisschen anregt. Nach unzähligen Gesprächen mit privaten und semiprofessionellen Eigentümern von Wohnbeständen musste ich erkennen, dass dies noch ein weiter Weg ist.

Welche Berufe wird es in 5-10 Jahren in der Immobilienbranche nicht mehr geben? Welche Berufe werden neu geschaffen?

In der Immobilienwirtschaft verdienen viele Menschen sehr viel Geld mit Informationsasymmetrien und langjährig bestehenden und akzeptierten Ineffizienzen. Das wird sich mit der strukturierten Auswertung der Daten massiv ändern. Konkret heißt das: Immer dann, wenn Kunden mit Barrieren konfrontiert sind – z.B. in der Beziehung zwischen Verkäufer-Makler-Interessent oder zwischen Mieter und Verwalter – wird es Angriffspunkte für clevere Lösungen geben.

Wenn Du Immobilieneigentümer wärst: was würdest Du mit Blick auf Digitalisierung als Erstes tun?

Immobilieneigentümern rate ich unabhängig von Ihrer Größe sich grundsätzlich für die Funktionsweise von digitalen Geschäftsmodellen zu interessieren. Mit einem guten Verständnis von den Chancen und Wirkungsweisen ist es sehr viel leichter, unter den PropTechs die richtigen Partner zu identifizieren und die richtigen Fragen zu stellen. Dazu kommt, dass ich als Eigentümer so auch die Potentiale der digitalen Welt erkenne, von denen ich selbst profitieren kann.

Wenn Du Hausverwalter wärst: was würdest Du mithilfe der Werkzeuge der Digitalisierung sofort abstellen?

Die Hausverwaltung im klassischen Sinne. Es gibt aus Mieter- und Eigentümersicht gedacht nur sehr wenige Fälle, an denen es eines gut ausgebildeten Hausverwalters bedarf. Mit der entsprechenden Bereitschaft und Technologie lassen sich in naher Zukunft die meisten der heute händisch erledigten Verwaltungsaufgaben digitalisieren. Das würde den Fachleuten den Freiraum schaffen, sich hauptsächlich mit den Dingen in und um die Immobilie zu befassen, die tatsächliche Mehrwerte schaffen oder Werte bewahren.

 Wärst Du bei einer Behörde tätig, und könntest etwas ändern, damit die Digitalisierung in der Immobilienwirtschaft schneller voranschreitet: Was wäre das?

Ich würde beim grundsätzlichen Verständnis anfangen: Die Behörde dient den Menschen und Unternehmen unseres Landes. Je effektiver und effizienter sie dies tut, umso besser ist dies für unsere Wirtschaft und die internationale Wettbewerbsfähigkeit. Dementsprechend würde ich den Aufbau der Verwaltung an den folgenden Fragen orientieren: Wie organisieren wir die Verwaltung kundenorientiert? Wie vermeiden wir es zu verwalten um zu verwalten? Vergleichbar mit der Immobilienwirtschaft befürchte ich jedoch, dass man dies sehr schwer aus den bestehenden Strukturen heraus entwickeln kann, sondern Behörde bzw. Verwaltung außerhalb neu denken und erschaffen muss.

 

Weitere Infos zu blackprintpartners GmbH gibt es hier: www.blackprintpartners.de.

 

Stefan Zanetti

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