“my 7 cents”: Dieter Sommer über heterogene Prozesse, Uber & sich verändernde Berufsbilder

Dieter Sommer, MRICS ist CEO der PRIVERA AG, der führenden unabhängigen Immobiliendienstleisterin mit 12 Niederlassungen in der Schweiz. Davor hat er als Mitglied der Geschäftsleitung während acht Jahren den Bereich Bewirtschaftung bei einer national tätigen Immobiliendienstleisterin geleitet. Dieter Sommer ist zudem Stiftungsrat bei ESPRIX Suisse, einer Stiftung für Business Excellence, und Beirat beim Projekt Digital Leadership der HWZ Zürich.

PRIVERA ist die erste Immobiliendienstleisterin, die ihren Mietern basierend auf der Allthings Plattform ein Online-Portal als weiteren Kommunikationskanal zur Verfügung stellt. Was Dieter zur Digitalisierung in der Immobilienbranche zu sagen hat, verrät er uns diese Woche in unserer Reihe “my 7 cents”.

Was hältst Du für maximal unterschätzt im Rahmen der Digitalisierungsdebatte im Immobilienumfeld?

Die Komplexität bei der Umsetzung von Digitalisierungs- und Automatisierungsprozessen. Unsere Branche ist extrem heterogen, gerade wenn man die diversen Workflows und Prozesse von Anfang bis Ende betrachtet. Spricht man mit Anbietern von Technologielösungen klingt die Einführung neuer Prozess-Software einfach, schnell und unkompliziert. Doch der Teufel steckt im Detail. Das bedeutet nicht, dass die Vorteile einer Umstellung langfristig nicht überwiegen, doch man muss sich bewusst sein, dass es Stolpersteine gibt. Der Aufbau und die Automatisierung digitaler Workflows kosten Zeit und müssen – von vorne bis hinten inklusive aller Schnittstellen und Datenflüsse – gut durchdacht sein.

Welchen Satz kannst Du nicht mehr hören im Zusammenhang mit der Digitalisierung im Immobilienumfeld?

Uber als Versinnbildlichung für ein gelungenes disruptives Geschäftsmodell. Derzeit verliert Uber ca. 8 Millionen USD am Tag. So gesehen ist der Nachweis eines nachhaltigen, wirtschaftlich erfolgreichen Business Case noch in keiner Weise erbracht. Würde ich als Geschäftsführer unser Unternehmen in so eine Richtung treiben, wäre ich meinen Job los. Ähnliches gilt bei Airbnb – da weiß auch keiner, ob schwarze Zahlen geschrieben werden. Ja, Uber und Airbnb sind zwei Plattformen, die sich am Markt durchgesetzt haben – doch aus wirtschaftlicher Sicht kann man nicht sagen, ob es die Plattformen so in 2, 5 oder 10 Jahren noch geben wird.

Wovon warst Du mal überzeugt, und bist es heute nicht mehr in Bezug auf die Digitalisierung in der Immobilienwirtschaft?

Ich war lange davon überzeugt, dass die Digitalisierung schneller gehen wird. Doch aufgrund der Heterogenität und Komplexität der Prozesse wird es länger dauern, bis man wirklich von einer Digitalisierung der Branche sprechen kann. Bis dahin bewegen wir uns in einer Hybrid-Welt – ganz analoge Arbeitsweisen werden mit digitalen Lösungen kombiniert.

Welche Berufe wird es in 5-10 Jahren in der Immobilienbranche nicht mehr geben? Welche Berufe werden neu geschaffen?

Das Berufsbild des klassischen Sachbearbeiters wird sich in 5-10 Jahren massiv verändern und der Bedarf wird sich massiv reduzieren. Die gleichartigen und repetitiven Aufgaben werden als erste digitalisiert und automatisiert. Arbeiten, die Mehrwerte generieren und die Beratung werden wichtiger, während das Volumengeschäft automatisiert wird. Um sich auf die Veränderungen vorzubereiten, sollte man sich schon heute von der Komfortzone verabschieden und sich in neue Bereiche einarbeiten.

Welche digitale Lösung im Immobilienumfeld vermisst Du noch?

Eine lückenlose, vollständige Digitalisierung von Abrechnungsprozessen. Die Informationen vom Gebäude betreffend Energie und Hauswartung müssten automatisch gemessen, gemeldet, abgerechnet und auf die einzelnen Mieter verteilt werden. Das sind derzeit aufwändige manuelle Prozesse. Teilweise gibt es schon digitale Lösungen, wie z.B. die automatische Übertragung von Energiedaten – aber von einem einheitlichen, digitalen Abrechnungsprozess sind wir weit entfernt. Auf einen Knopf zu drücken und die Abrechnung ist fertig – ganz ohne Prüfung, weil alles korrekt übertragen wurde – das ist der Traum eines jeden Immobilienbewirtschafters.

Wärst Du bei einer Behörde tätig, und könntest etwas ändern, damit die Digitalisierung in der Immobilienwirtschaft schneller voranschreitet: Was wäre das?

Ich würde die Datenschutzrichtlinien anpassen. Es braucht sicherlich ethische Standards über die Verwendung und den Umgang mit Daten. Gleichzeitig sollte die technologische Entwicklung und das Schaffen neuer digitaler Unternehmen nicht durch zu strenge Datenschutzrichtlinien behindert werden. Auch das Mietrecht ist im Kern ein Mieterschutzgesetz. Der Immobilienmarkt ist zu stark reguliert. Natürlich gibt es nicht nur Vorteile, aber Technologie ist die Zukunft, und es sollten der Digitalisierung keine unnötigen Stolpersteine in den Weg gelegt werden.

Bei welcher Firma – Allthings und Deine eigene ausgeschlossen 😉 – würdest Du gerne mal eine Woche als Insider mitlaufen?

Bei Tesla. Mich faszinieren Elektroautos, auch wenn ich eigentlich Benzin im Blut habe. Es ist bemerkenswert, welchen Druck Tesla auf die gesamte Industrie ausgeübt hat. Ohne Tesla wäre die Autoindustrie nicht dort, wo wir heute hinsichtlich Elektro-Autos und (teil)autonomem Fahren stehen. BMW, Audi und Co. – alle ziehen nach. Außerdem ist Musk ein genialer Unternehmer, mit dem ich mich gerne mal austauschen würde.

Stefan Zanetti

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